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  • Unitasking (tentatively)

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  • 08. März - 11. Mai 2014
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  • Eva Barto, Mattia Denisse, Helene Hellmich, Thomas Teurlai, Pauline Toyer, Ana Vaz,
    Veronica Wüst
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  • Distribution galt bislang als Schlüsselwort im Werte-System von Massenmedien. Die Blockbuster-Wirtschaft verließ sich auf die Verbreitung, um alle Aufmerksamkeit auf ein einzelnes Produkt zu konzentrieren. Im Zeitalter der Ökonomie von Aufmerksamkeit ist unsere individuell gerichtete Aufmerksamkeit heute hingegen die knappste Ressource und schließlich die Ware, die an die Dienstleistungsbranche verkauft wurde. Wir sind gewöhnt daran, uns als Verbraucher in dieser virtuellen Lebensmittelkette zu sehen, wo wir doch schon längst selbst zum Produkt geworden sind. Multitasking (oder die Fähigkeit, mehrere Aufgaben gleichzeitig auszuführen) und deren fortlaufenden Aufmerksamkeitsstörungen ist zum neuen Verhängnis dieser Ära geworden, und jedes Versprechen, störende soziale Netzwerkanbieter in den Blick zu nehmen und abzuschalten, gleicht einer einstweiligen Verfügung. Wunschdenken. Der Unitasker ist der Held des Tages. Er erledigt nur eine Sache zu einem Zeitpunkt. Ist der Künstler des späten 20. Jahrhunderts - hyperaktiv, selbst-gemanagt, selbst-promotet, allgegenwärtig, Biennalist, dann ein ausgelaufenes Vorbild? Darüber hinaus gilt zu bedenken, dass der moderne Künstler Pionierarbeit für diese "Ökonomie der Aufmerksamkeit" geleistet hat, und dass "der Schwerpunkt der Kunst fortan nicht mehr in den Objekten liegt, die die Künstler geschaffen haben, sondern in der Aufmerksamkeit, die der Betrachter ihnen entgegenbringt" (Richard A. Lanham, The Economics of Attention. Style and Substance in the Age of Information, 2006). Duchamps Readymades, Avantgarde-Manifeste, Andy Warhols Lebensstil oder der Handel der Konzeptualisten mit immateriellen Gütern haben das Interesse am eigentlichen Kunstwerk gedämpft, um die bestehende soziale Beziehung zwischen dem Künstler und dem Betrachter zu untersuchen. In der derzeit gut geölten Maschinerie von Googles Onlinediensten AdSense und Mediabot, in der die Maschine den Klick jedes Benutzers auf einem Computer liest und analysiert, um im Gegenzug kontextbezogene Werbung in Echtzeit zu offerieren, wurde die Hälfte der Arbeit des schöpferischen Aktes nicht durch den Betrachter, wie Marcel Duchamp vermutete, sondern durch Software definitiv erledigt. Sollen wir uns in diesen großartigen Zeiten immer noch auf eine Kunst als Teil des Kreativsektors beziehen, oder sollen wir nicht vielmehr den Begriff von Kreativität aus dem Kunstvokabular streichen?
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  • Distribution used to be the keyword in the mass media value system. The blockbuster economy used to rely on distribution to focus all attentions on a single product. Now, in the age of the attention economy, our individual focused attention is the scarcest resource and ultimately the commodity sold to the service industry. We used to think we stood as consumers in this virtual food chain, when actually we’ve become the product. Multitasking and its consecutive attention deficit disorders have become the new doom of this era, and any pledge to focus and turn off distracting social networks providers is its injunction. Wishful thinking. The unitasker is the hero of that day. Doing one thing at a time. Then, is the artist of the late 20th century - hyperactive, self-manager, self-promoter, ubiquitous, biennalist, an outdated role model? There is more than one to think that the modern artist has pioneered these "economics of attention", and that the "art’s centre of gravity henceforth does lie not anymore in objects that artists create but in the attention that the beholder brings to them" (Richard A. Lanham, The Economics of Attention. Style and Substance in the Age of Information). Duchamp’s ready-mades, Avant-garde manifestos, Andy Warhol’s lifestyle or conceptualists’ trading of immaterial goods, have deflated the interest in the actual artwork in order to shed light on the social relationship established between the artist and the viewer. Now, in the well-oiled machine of Google AdSense and Mediabot, the engine that reads and analyses every user’s click on a computer in order to suggest contextual advertisements in real time, half the work of the creative act is definitely performed, not by the viewer as Marcel Duchamp used to think, but by software. In these great times should we still refer to art as a part of the creative field, or should we rather ban the term of creativity from the art’s vocabulary?
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  • Gastkurator / Guest Curator
  • François Piron, Lyon/Paris
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  • Programm
12.04.14 Helene Hellmich, Veronica Wüst: Paraperformance 2

  • Kalender / Calendar
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  • November
  • Do, 9.11.
  • Film und Gespräch, 19 Uhr
  • Screening Room: Tris Vonna-Michell im Gespräch mit Viola Vahrson
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  • Dezember
  • Fr, 1.12.
  • Eröffnung, 19 Uhr
  • Olivier Foulon: Hard Return
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